Auswertungspositionen – Konzept
Eine Auswertungsposition legt fest, wann und in welchem Programmkontext das Regelsystem eine Regel prüft und ausführt. Sie ist neben der Bedingung und der Anweisung der dritte grundlegende Baustein jeder Regel in microtech ERP.
Wo konfiguriere ich das in der Software?
PARAMETER - (Auswahl des Regel-Bereichs) - REGELN
Es empfiehlt sich, die Suche nach "Regeln" in den Parametern zu nutzen. So haben Sie auf einen Blick die Übersicht über alle in Ihrer Software verfügbaren Bereiche, die Regeln enthalten.
Was ist eine Auswertungsposition?
Jede Regel ist einer bestimmten Auswertungsposition zugeordnet. Nur wenn das Programm genau diese Position im Ablauf erreicht, wird die Bedingung der Regel überhaupt geprüft. Trifft die Bedingung zu, führt das System die hinterlegte Anweisung aus.
Die Auswertungsposition bestimmt damit drei Dinge gleichzeitig:
- Den Zeitpunkt – z. B. vor dem Speichern, nach dem Buchen, beim Wandeln
- Den Datensatzkontext – welche Tabelle und welche Felder in Bedingungen und Anweisungen zugreifbar sind
- Die erlaubten Anweisungsarten – nicht jede Anweisungsart steht an jeder Position zur Verfügung
Beachten Sie
Falsche Auswertungsposition → Regel wird nie ausgeführt: Wenn die gewählte Auswertungsposition nicht zu dem Programmablauf passt, in dem die Regel wirken soll, wird sie systematisch übergangen. Das Programm erzeugt dabei keine Fehlermeldung. Überprüfen Sie deshalb Regeln auch immer in einem Testlauf. Wird diese nicht zuverlässig ausgeführt, überprüfen Sie die Regel und vor allem auch die Auswertungsposition.
Gruppen von Auswertungspositionen
Die verfügbaren Auswertungspositionen lassen sich in vier inhaltliche Gruppen einteilen:
Erfassungsformulare
Diese Gruppe umfasst Positionen, die beim interaktiven Bearbeiten eines Datensatzes über ein Erfassungsformular ausgelöst werden – typischerweise unmittelbar vor dem Speichern einer Neuanlage oder Änderung.
Typische Anwendungsfälle: Pflichtfeldprüfungen, automatisches Vorbelegen von Feldern beim Anlegen, Hinweise an den Benutzer.
Buchen und Stornieren von Vorgängen
Diese Gruppe enthält Positionen, die im Buchungsablauf eines Vorgangs ausgelöst werden. Sie unterscheidet:
- Vor dem Buchen – Prüfungen und Vorbereitungen, die den Buchungsvorgang noch verhindern oder beeinflussen können
- Beim Buchen/Stornieren – Zugriff auf Adressen-, Artikel- oder Projektdaten, die am Vorgang beteiligt sind
- Nach dem Buchen/Stornieren – Folgeaktionen, z. B. externe Systeme benachrichtigen oder Protokollfelder füllen
Beachten Sie
Buchungsparameter-Kopplung erforderlich: Die Positionen "Beim Buchen/Stornieren" für Adressen, Artikel und Projekte werden nur ausgewertet, wenn am zugehörigen Buchungsparameter das entsprechende Kennzeichen aktiviert ist. Ohne diese Aktivierung ignoriert das System die Regeln, auch wenn sie korrekt konfiguriert sind.
PARAMETER - VORGÄNGE UND ZWISCHENBELEGE - BUCHUNGSPARAMETER - (Buchungsparameter öffnen) - Register: FÜR DAS BUCHEN DIESES VORGANGS - Kennzeichen: NACH DEM BUCHEN REGELN ZUM VORGANG ABARBEITEN.
Dieses Kennzeichen finden Sie ziemlich am Ende der Liste.
Wandeln von Vorgängen
Beim Wandeln eines Vorgangs in einen anderen Vorgangstyp stehen eigene Positionen zur Verfügung:
- Zum Vorbelegen der Vorgangsart im Wandeln-Formular
- Vor dem Wandeln – letzte Prüfung oder Anpassung, bevor der neue Vorgang erzeugt wird
- Nach dem Wandeln – Aktionen am fertig erzeugten Zielvorgang
- Vor dem Übernehmen von Vorgangspositionen – greift auf einzelne Positionen zu, bevor sie in den Zielvorgang übernommen werden
- Nach dem Übernehmen von Vorgangspositionen – Folgeaktionen auf der Quellseite nach erfolgter Übernahme
Beachten Sie
Regeln für Positionen beim Wandeln:
Die Auswertungspositionen, die auf einzelne Vorgangspositionen zugreifen (Übernehmen), erfordern einen gesonderten Eintrag in den Buchungsparametern. Sie sind von den Vorgangsregeln konzeptionell getrennt, weil der Datensatzkontext ein anderer ist (Positionstabelle statt Vorgangstabelle).
Den gesonderten Buchungsparameter konfigurieren Sie unter: PARAMETER - VORGÄNGE UND ZWISCHENBELEGE - BUCHUNGSPARAMETER - (Buchungsparameter auswählen) - Register: FÜR DAS WANDELN IN DIESEN VORGANG - Kennzeichen: REGELN FÜR POSITIONEN "VOR DEM SPEICHERN … (ÜBER DAS ERFASSUNGSFORMULAR)" BEACHTEN.
Übersichten (Anzeige und Interaktion)
Für die tabellarischen Übersichten im Programm stehen spezielle Positionen bereit, die keine Buchungslogik auslösen, sondern die Darstellung und Interaktion steuern:
| Position | Wirkung |
|---|---|
| Farbdarstellung | Hintergrundfarbe und Textfarbe einer Zeile in der Übersicht setzen |
| QuickInfo | Tooltip-Text für eine Zeile oder ein Feld dynamisch befüllen |
| Klick auf ein Feld (Hyperlink) | Beim Klick auf ein bestimmtes Feld eine Aktion auslösen, z. B. eine URL öffnen oder einen HTTP-POST-Befehl absetzen |
Beachten Sie
Farbdarstellung als eigenständige Auswertungsposition:
Die Auswertungsposition "Farbdarstellung" wird unabhängig vom Buchen oder Speichern ausgewertet – sie greift bei jedem Neuaufbau der Übersicht. Halten Sie Regeln an dieser Position daher möglichst schlank, um die Anzeigeperformance nicht zu beeinträchtigen.
Weitere spezifische Positionen
Einige Auswertungspositionen sind an bestimmte Programmmodule oder Abläufe gebunden und stehen nicht global zur Verfügung:
- Nach der Adressnummer-Zuweisung – wird ausgelöst, wenn einem Datensatz (z. B. einem Vorgang) eine Adresse zugewiesen wird
- Nach dem Speichern einer manuellen Statusänderung – reagiert auf gezielte Statuswechsel durch den Benutzer
Zusammenhang zwischen Auswertungsposition und Datensatzkontext
Der Datensatzkontext legt fest, auf welche Datenbankfelder die Bedingung und die Anweisung einer Regel zugreifen dürfen. Dieser Kontext ergibt sich direkt aus der gewählten Auswertungsposition:
| Auswertungsposition | Verfügbarer Datensatzkontext |
|---|---|
| Erfassungsformular | Alle exportierbaren Felder der gerade bearbeiteten Tabelle |
| Buchen/Stornieren – Vorgang | Felder der Vorgangstabelle |
| Buchen/Stornieren – Adresse/Artikel/Projekt | Felder der jeweiligen Stammdatentabelle |
| Wandeln – Position übernehmen | Felder der Positionstabelle |
| Farbdarstellung / QuickInfo | Felder der in der Übersicht angezeigten Tabelle |
Beachten Sie
Blob-Felder (variabel lange Felder, z. B. Bilder): Die Analyse-Funktion des Regelsystems warnt, wenn eine Bedingung oder Anweisung auf ein variabel langes Feld (Blob) zugreift und die gewählte Auswertungsposition diesen Zugriff nicht unterstützt. Solche Regeln können zu Fehlern führen.
Steuerung der Regelauswertung
Unabhängig von der Auswertungsposition stehen an jeder Regel Steueroptionen bereit, die den weiteren Ablauf der Regelverarbeitung beeinflussen:
- Keine weiteren Regelanweisungen auswerten – nach dem Ausführen dieser Anweisung werden weitere Anweisungen innerhalb derselben Regel übersprungen
- Keine weiteren Regeln auswerten – nach dem Ausführen dieser Regel werden keine nachfolgenden Regeln derselben Auswertungsposition mehr geprüft
- Nur ausführen, wenn zuvor keine Regelanweisung ausgeführt wurde – die Anweisung greift nur dann, wenn in keiner vorherigen Regel dieser Auswertungsposition eine Anweisung tatsächlich ausgeführt wurde
Diese Optionen erlauben es, Regelketten als exklusive Fallunterscheidung zu modellieren.
Beachten Sie
Reihenfolge der Regeln beachten: Die Steueroptionen wirken sich auf alle Regeln aus, die dieselbe Auswertungsposition teilen und in der Reihenfolge nach der aktuellen Regel stehen. Die Sortierreihenfolge der Regeln im System bestimmt daher das Ergebnis. Prüfen Sie bei unerwartetem Verhalten, ob eine vorgelagerte Regel die Auswertung vorzeitig abbricht. Über die blauen Pfeile im Menüband können Sie die Reihenfolge der Abarbeitung konfigurieren.





