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Praxisbeispiel: Strategievergleich am Fanshop

Dieses Beispiel zeigt anhand eines durchgängigen Szenarios, wie die drei Kommissionierstrategien auf denselben Datenbestand wirken – und welche Ergebnisse sie jeweils erzeugen.

Ausgangslage: Der Fanshop nach dem Spieltag

Ein Fanshop verarbeitet nach einem Spieltag sechs offene Lieferscheine. Alle Lieferscheine haben die gleiche Priorität (Prio "5") und werden aus demselben Lager bedient.

6 Lieferscheine im Bereich der Vorgänge

Lieferschein Positionen Artikel Typ
LI-001 2 1× Fanschal, 1× Fancap Mehrposten
LI-002 1 1× Fanschal Einposten
LI-003 1 1× Fanschal Einposten
LI-004 1 1× Fanschal Einposten
LI-005 2 1× Fanschal, 1× Fancap Mehrposten
LI-006 2 1× Fanschal, 1× Fancap Mehrposten

Insgesamt: 6 Lieferscheine, davon 3 Einposten-Belege (je 1 Position) und 3 Mehrposten-Belege (je 2 Positionen). In Summe 9 Positionen: 6× Fanschal und 3× Fancap.

Logistik-Positionen im Logistik-Bereich

Nach dem Buchen der Lieferscheine werden diese als Logistik-Positionen angelegt (gesteuert über Buchungsparameter: Logistik-Positionen erstellen)

Verteilung erfolgt über die gewählte Kommissionierstrategie

Die Frage ist: Wie sollen diese Lieferscheine auf Picklisten verteilt werden? Die Antwort hängt von der gewählten Kommissionierstrategie ab.

Info

Die Strategie(n) legen Sie über PARAMETER - LOGISTIK - KOMMISSIONIERSTRATEGIEN - Schaltfläche: NEU an. Nachdem die Strategien angelegt sind, lassen sich die Einträge über die blauen Pfeile hierarchisch verschieben. Die am höchsten stehende Kommissionierstragie besitzt die höchste Priorität.

Weitere Infos: Kommissionierstrategien


Szenario A: Auftragsbezogene Kommissionierung

Einrichtung: Eine auftragsbezogene Kommissionierung ohne weitere Eingrenzungen.

Ergebnis nach Ausführen der Bereichs-Aktion auf dem Register "Logistik-Positionen": 6 Picklisten – eine pro Lieferschein.

Pickliste Inhalt Ursprung
PL-001 1× Fanschal, 1× Fancap LI-001
PL-002 1× Fanschal LI-002
PL-003 1× Fanschal LI-003
PL-004 1× Fanschal LI-004
PL-005 1× Fanschal, 1× Fancap LI-005
PL-006 1× Fanschal, 1× Fancap LI-006

Wann ist das sinnvoll?

Die auftragsbezogene Kommissionierung eignet sich, wenn jeder Auftrag individuell zusammengestellt und verpackt werden soll. Der Packer nimmt eine Pickliste, holt alle Artikel für diesen einen Auftrag und verpackt sie direkt. Das ist übersichtlich und fehlerarm – dafür geht der Picker für jeden Auftrag einzeln ins Lager. Bei wenigen Aufträgen oder stark unterschiedlichen Artikeln pro Auftrag ist das die einfachste und sicherste Variante.


Szenario B: Einposten-Kommissionierung + Sammel-Kommissionierung als Auffang

Einrichtung: Zwei Strategien in folgender Priorität:

  1. Einposten-Kommissionierung – erfasst alle Belege mit genau einer Position
  2. Sammel-Kommissionierung (ohne Bedingung) – fängt die verbleibenden Belege auf

Ergebnis: 2 Picklisten

Pickliste Strategie Inhalt Ursprung
PL-001 Sammel 3× Fanschal, 3× Fancap (6 Pos.) LI-001, LI-005, LI-006
PL-002 Einposten 3× Fanschal (3 Pos.) LI-002, LI-003, LI-004

Die Einposten-Strategie greift zuerst (durch die gewählte Prio) und zieht die drei Lieferscheine mit je einer Position auf eine gemeinsame Pickliste. Die drei verbleibenden Mehrposten-Belege werden von der Sammel-Strategie auf einer zweiten Pickliste zusammengefasst.

Wann ist das sinnvoll?

Diese Kombination eignet sich für Betriebe mit einem hohen Anteil an Einzelartikel-Bestellungen. Der Picker kann alle Einzelartikel-Sendungen in einem Laufweg sammeln (z. B. auf einem Wagen) und am Packplatz schnell zuordnen – jede Position ist eine eigene Sendung. Die Mehrposten-Belege werden separat bearbeitet. Das spart Laufwege und beschleunigt den Versand, erfordert aber am Packplatz eine saubere Zuordnung der Artikel zu den jeweiligen Sendungen.


Szenario C: Sammel-Kommissionierung mit Gleichheitsdefinition nach Artikelnummer

Einrichtung: Eine Sammel-Kommissionierung mit der Formel für Gleichheitsdefinition: «LVPo.ArtNr»

Ergebnis: 2 Picklisten – gruppiert nach Artikel, nicht nach Beleg.

Pickliste Inhalt Positionen
PL-001 6× Fanschal (ArtNr 1) 6
PL-002 3× Fancap (ArtNr 3) 3

Die Gleichheitsdefinition gruppiert alle Positionen mit derselben Artikelnummer auf einer Pickliste. Das bedeutet: Belege werden aufgebrochen. Die Lieferscheine LI-001, LI-005 und LI-006 enthielten jeweils Fanschal UND Fancap – die Positionen wurden auf zwei verschiedene Picklisten verteilt.

Wann ist das sinnvoll?

Diese Strategie eignet sich für Betriebe, deren Lager nach Artikeln organisiert ist – z. B. wenn Fanschals und Fancaps in verschiedenen Lagerbereichen oder Regalgängen liegen. Der Picker für Lagerhalle A holt alle Fanschals, der Picker für Lagerhalle B alle Fancaps. Am Packplatz werden die Artikel dann den jeweiligen Sendungen zugeordnet. Das minimiert Laufwege im Lager, erfordert aber einen gut organisierten Packplatz, an dem die Zusammenführung stattfindet.

Gleichheitsdefinition arbeitet auf Positionsebene

Die Formel für Gleichheitsdefinition gruppiert auf Positionsebene, nicht auf Belegebene. Ein Beleg kann seine Positionen auf mehrere Picklisten verteilt bekommen, wenn die Positionen unterschiedliche Formel-Ergebnisse liefern.


Zusammenfassung

Szenario Strategie(n) Picklisten Stärke Voraussetzung
A Auftragsbezogen 6 Übersichtlich, fehlerarm, einfach Keine besondere
B Einposten + Sammel 2 Schnell bei vielen Einzelartikel-Sendungen Saubere Zuordnung am Packplatz
C Sammel mit Gleichheit 2 Minimale Laufwege bei artikelbezogenem Lager Organisierter Packplatz für Zusammenführung

Alle drei Szenarien verarbeiten denselben Datenbestand – die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, wie stark die Wahl der Kommissionierstrategie den Ablauf im Lager beeinflusst.

Tipp: Strategien kombinieren

In der Praxis werden häufig mehrere Strategien mit unterschiedlicher Priorität kombiniert. Eine typische Konfiguration ist: Einposten-Kommissionierung auf der höchsten Priorität für Einzelartikel-Sendungen, gefolgt von einer Sammel-Kommissionierung als Auffang für alle verbleibenden Belege. Siehe auch: Praxisbeispiel: Priorisierte Kommissionierstrategien.